Von Raul Ortiz, Gründer von RX Climbing Holds8 Min. LesezeitStand: Oktober 2026
Kinderkletterwand in einem Kindergarten mit bunten Kindergriffen von RX Climbing Holds
Eine von uns gebaute Kinderkletterwand in einem Kindergarten – niedrig, bunt und mit großer Aufprallfläche.

Eine Kletterwand in der Kita ist eines der besten Bewegungsangebote, die eine Einrichtung schaffen kann: Kinder trainieren Kraft, Koordination und Gleichgewicht, lernen Risiken einzuschätzen und erleben, dass sie etwas aus eigener Kraft schaffen. Damit die Wand dauerhaft Freude macht und den Anforderungen der Unfallversicherung entspricht, braucht es aber eine gute Planung. In diesem Ratgeber erfährst du, worauf Träger, Leitungen und Elternbeiräte achten sollten – von der Höhe über den Fallschutz bis zur regelmäßigen Prüfung.

Das Wichtigste in Kürze
  • Maßgeblich ist die DGUV Information 202-018 „Klettern in Kindertageseinrichtungen und Schulen“ (Stand Juni 2023).
  • Freie Fallhöhe: an Boulderwänden höchstens 3,0 m – für Kita-Kinder planen wir bewusst niedriger.
  • Fallschutz ab 0,6 m Fallhöhe über die ganze Aufprallfläche, mindestens 2 m tief vor der Wand.
  • Griffe nur von Fachfirmen (DIN EN 12572-3), befestigt in gesicherten Einschlag- oder Flanschmuttern.
  • Prüfungen: Sichtprüfung vor jeder Nutzung, Funktionsprüfung alle 1–3 Monate, Hauptprüfung jährlich.

Warum eine Kletterwand in der Kita?

Klettern ist eine Grundbewegung, die Kinder von sich aus suchen. An einer Wand wird daraus ein sicheres, wiederholbares Angebot. Jeder Zug verlangt, Arme und Beine zu koordinieren, das Gewicht zu verlagern und den nächsten Griff zu planen. Gleichzeitig ist Klettern ein Gemeinschaftserlebnis: Kinder feuern sich an, zeigen sich Lösungen und warten aufeinander. Mehr zu den motorischen und kognitiven Effekten liest du in unserem Beitrag Klettern mit Kindern: Diese Vorteile bringt Bouldern.

Motorik & Kraft

Greifen, Stützen und Treten stärken Hände, Rumpf und Beine – ganz ohne Trainingsplan.

Selbstvertrauen

Ein geschafftes Wandstück ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das Kinder stolz macht.

Risikokompetenz

Kinder lernen, ihre Grenzen einzuschätzen und kontrolliert abzuspringen.

Wenig Platz, viel Bewegung

Eine Wand nutzt Fläche in die Höhe und passt oft in Turnraum oder Flur-Nische.

Traversewand, Boulderwand oder Kletterlandschaft?

In Kitas haben sich drei Varianten bewährt. Welche passt, hängt von Raum, Alter der Kinder und Budget ab:

VarianteTypisch fürVorteileDarauf achten
Traversewand (quer klettern)Krippe & KindergartenGeringe Höhe, viele Kinder gleichzeitig, leicht zu betreuenMaximale Tritthöhe gut sichtbar markieren
Boulderwand (auch nach oben)Vorschulkinder, HortMehr Herausforderung, abwechslungsreiche RoutenAufprallfläche und Matten wachsen mit der Höhe
Kletterlandschaft mit VolumenBewegungsräume, TurnhallenNeigungen und Strukturen machen die Wand spannendVolumen fest verschrauben, keine Klemmstellen

Wie hoch darf eine Kletterwand in der Kita sein?

Die DGUV Information 202-018 legt für Boulderwände in Kitas und Schulen fest, dass die freie Fallhöhe 3,0 m nicht überschreiten soll. Umgesetzt wird das, indem die oberste Trittreihe höchstens 3,0 m über der Aufprallfläche liegt und/oder die maximale Fußauftrittshöhe an der Wand gekennzeichnet wird. Die Vorgaben unterscheiden dabei nicht zwischen Kita und Schule.

Das ist eine Obergrenze, kein Zielwert. Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren empfehlen wir eine Wand, an der vor allem quer geklettert wird und die Füße deutlich niedriger bleiben. So können die Kinder jederzeit selbstständig abspringen, und die Betreuung bleibt entspannt. Eine farbige Markierung oder ein Klebeband zeigt allen, bis wohin die Füße dürfen.

Raul Ortiz
Praxis-Tipp von Raul

Plane die Wand eher breit als hoch. Eine 5 Meter lange, niedrige Traverse bietet mehr Kindern gleichzeitig Platz als eine schmale, hohe Wand – und die Kinder klettern länger, weil sie seltener Pause machen müssen.

Fallschutz und Aufprallfläche

Der Fallschutz ist der wichtigste Sicherheitsfaktor – und der Punkt, der in der Planung am häufigsten unterschätzt wird. Die DGUV Information 202-018 nennt folgende Werte:

AnforderungWert laut DGUV Information 202-018
Fallschutz nötig abfreier Fallhöhe von mehr als 0,6 m – dann über die gesamte Aufprallfläche
Aufprallfläche vor der Wandmindestens 2,0 m (Wandhöhe bis 3,0 m), sonst mindestens 2,5 m
Seitliche Ausdehnungmindestens 50 % der Wandhöhe (bis 3,0 m), sonst mindestens 1,5 m
Matten innengeschlossene Oberfläche, bündig aneinander, gegen Verrutschen gesichert
Außenbereich0,6–1,0 m Fallhöhe: stoßdämpfender Untergrund; über 1,0 m: Fallschutz nach DIN EN 1176-1

Wichtig: Die Aufprallfläche muss frei von Hindernissen sein. Heizkörper, Regale, Fensterbänke oder Türen im Fallraum sind tabu. Weichbodenmatten sollten nur wenig einsinken, damit Kinder beim Landen nicht umknicken.

Wand, Bohrraster und Griffe

Für die Wandfläche selbst gibt die DGUV Information klare Hinweise: Griffe und Tritte werden über Schrauben in Flansch- oder Einschlagmuttern befestigt, die von der Rückseite gesichert sind. Empfohlen ist ein versetztes Bohrraster von 20 × 20 cm. Spanplatten und Nadelholzplatten sind ungeeignet. Im Kletterbereich dürfen keine Fallrohre oder Fenster als Griff oder Tritt erreichbar sein.

Bei den Griffen gilt: Sie müssen von einer Fachfirma stammen (DIN EN 12572-3), Eigenbau ist ausgeschlossen. Für Kinder eignen sich große, gut umgreifbare Henkel, abgerundete Formen und Griffe mit Wiedererkennungswert – zum Beispiel unsere Zahlen-Klettergriffe von 0 bis 9 oder die Kindergriffe. Mit Zahlen, Farben und Formen lassen sich Spiele bauen: „Klettere von der 1 bis zur 5“ oder „nur orange Griffe“.

Boulderwand für eine Schule, gebaut von RX Climbing Holds
Boulderwand für eine Schule: Größere Kinder bekommen mehr Höhe und abwechslungsreichere Griffe.

Prüfung und Aufsicht im Alltag

Eine Kletterwand ist ein Spiel- und Sportgerät, das regelmäßig kontrolliert werden muss. Die DGUV Information 202-018 sieht drei Stufen vor:

  1. Sichtprüfung vor jeder Nutzung: Sitzen alle Griffe fest, liegen die Matten richtig, ist der Fallraum frei? Eine Dokumentation wird empfohlen.
  2. Funktionsprüfung alle 1 bis 3 Monate (oder nach Herstellerangaben): Griffe auf Verdrehen und Risse prüfen, Schrauben nachziehen – mit Dokumentation.
  3. Hauptprüfung mindestens einmal jährlich durch eine sachkundige Person, zusätzlich nach Gefährdungsbeurteilung.

Zur Aufsicht unterscheidet die DGUV Information zwischen „Bouldern unter Kontrolle“ (körpernah und eingriffsbereit) und „Bouldern unter Betreuung“ (Sichtkontakt und verbale Steuerung). Welche Form gilt und wie groß die Gruppe sein darf, legt die Einrichtung in ihrer Gefährdungsbeurteilung fest. In Bayern ist die Kommunale Unfallversicherung Bayern (KUVB) Ansprechpartnerin für Fragen der Unfallversicherung.

So läuft ein Kita-Projekt mit uns ab

  1. Erstgespräch: Du schickst uns Fotos und Maße des Raums und erzählst, wie alt die Kinder sind.
  2. Konzept & Angebot: Wir schlagen Wandgröße, Höhe, Griffauswahl und Fallschutz vor – passend zu Raum und Budget.
  3. Bau & Montage: Wir bauen die Wand und schrauben die ersten Routen mit Griffen aus unserer eigenen Produktion in Miesbach.
  4. Übergabe: Wir zeigen dem Team, wie Griffe kontrolliert und umgeschraubt werden, damit die Wand lange spannend bleibt.

Ihr plant eine Kletterwand für eure Kita?

Schick uns Fotos und Maße des Raums – wir melden uns in der Regel innerhalb von 24 Stunden mit einer ersten Einschätzung. Mehr Beispiele findest du auf unserer Seite Kinderkletterwände.

Häufige Fragen zur Kletterwand in der Kita

Ab welchem Alter können Kinder an einer Kita-Kletterwand klettern?

Schon Kinder im Krippen- und Kindergartenalter können an einer niedrigen Boulder- oder Traversewand klettern, sofern Höhe, Griffe und Fallschutz zur Altersgruppe passen und eine Fachkraft die Kinder betreut. Wie eng die Betreuung sein muss, legt die Einrichtung in ihrer Gefährdungsbeurteilung fest.

Wie hoch darf eine Boulderwand in der Kita sein?

Laut DGUV Information 202-018 soll die freie Fallhöhe an Boulderwänden in Kitas und Schulen 3,0 m nicht überschreiten. Für kleine Kinder planen wir in der Praxis meist deutlich niedriger und markieren die maximale Tritthöhe sichtbar an der Wand.

Welche Matten braucht man unter einer Kinderkletterwand?

Ab einer freien Fallhöhe von mehr als 0,6 m ist Fallschutz über die gesamte Aufprallfläche nötig. Innen eignen sich Matten mit geschlossener Oberfläche, die bündig aneinanderliegen und gegen Verrutschen gesichert sind. Die Aufprallfläche reicht bei Wänden bis 3 m mindestens 2 m vor die Wand.

Wie oft muss eine Kletterwand in der Kita geprüft werden?

Die DGUV Information 202-018 nennt eine Sichtprüfung vor jeder Nutzung, eine dokumentierte Funktionsprüfung alle 1 bis 3 Monate und eine Hauptprüfung durch eine sachkundige Person mindestens einmal im Jahr.

Dürfen Erzieherinnen und Erzieher Griffe selbst umschrauben?

Ja. Fachkundiges Personal darf Griffe und Tritte mit geeignetem Werkzeug selbst setzen, versetzen oder ersetzen. Die Griffe müssen aber von einer Fachfirma stammen, selbstgebaute Griffe sind ausgeschlossen. Wir zeigen dem Team bei der Übergabe gern, wie das geht.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Punkte zusammen und ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung. Verbindlich sind die aktuellen Vorgaben eurer Unfallversicherung und die genannten Normen.

Raul Ortiz

Über den Autor: Raul Ortiz klettert seit 2006, entwickelt und gießt mit RX Climbing Holds in Miesbach Klettergriffe und GFK-Volumen und schraubt regelmäßig Boulder und Seilrouten in Hallen in Oberbayern. Mehr über uns

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