6a, V4, 5.10c oder VI+ – wer neu in der Kletterszene ist, verliert schnell den Überblick über die verschiedenen Schwierigkeitsskalen. In diesem Artikel erklären wir die wichtigsten Kletterskalen, woher Begriffe wie Rotpunkt, On Sight und A Vista stammen, und liefern dir Vergleichstabellen für Sportklettern und Bouldern.

Die wichtigsten Kletterskalen im Überblick
Weltweit haben sich unterschiedliche Bewertungssysteme entwickelt, die jeweils ihre eigene Geschichte haben:
- Französische Skala: In Europa am weitesten verbreitete Skala für Sportklettern, entstanden in den französischen Klettergärten der 1980er-Jahre (z. B. 6a, 7b+).
- UIAA-Skala: Traditionelle Skala des internationalen Bergsteiger- und Kletterverbands, in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem im alpinen Klettern gebräuchlich (römische Zahlen, z. B. VI+).
- US-Skala (YDS – Yosemite Decimal System): In Nordamerika übliche Skala, benannt nach dem Yosemite-Nationalpark, wo sie in den 1950er-Jahren entwickelt wurde (z. B. 5.10c).
- Britische Skala: Besteht aus zwei Teilen – einem technischen Grad und einem Ernsthaftigkeitsgrad (z. B. E4 6a) – und spiegelt die Tradition des britischen Trad-Kletterns wider.
Vergleichstabelle: Schwierigkeitsgrade beim Sportklettern
Die folgende Tabelle zeigt die ungefähre Entsprechung der wichtigsten Skalen im Vorstiegsklettern:
| Französisch | UIAA | USA (YDS) | Großbritannien |
| 5a | IV+ | 5.8 | VS |
| 5c | V+ | 5.10a | E1 |
| 6a | VI- | 5.10b | E2 |
| 6b | VI+ | 5.10d | E3 |
| 6c | VII | 5.11b | E4 |
| 7a | VIII- | 5.11d | E5 |
| 7b | VIII+ | 5.12b | E6 |
| 7c | IX | 5.12d | E7 |
| 8a | X- | 5.13b | E8 |
| 8b | X+ | 5.13d | E9 |
| 9a | XI+ | 5.14d | E11 |
Vergleichstabelle: Schwierigkeitsgrade beim Bouldern
Beim Bouldern haben sich eigene Skalen etabliert – am gebräuchlichsten sind die Fontainebleau-Skala (Font) aus Frankreich und die amerikanische V-Skala:
| Font (Fontainebleau) | V-Skala (USA) |
| 3 | VB |
| 4 | V0 |
| 5 | V1–V2 |
| 5+ | V2 |
| 6a | V3 |
| 6b | V4–V5 |
| 6c | V5–V6 |
| 7a | V6–V7 |
| 7b | V8 |
| 7c | V9–V10 |
| 8a | V11 |
Was bedeuten Rotpunkt, On Sight, Flash und A Vista?
Neben der reinen Schwierigkeitsangabe gibt es feste Begriffe, die beschreiben, wie eine Route geklettert wurde:
- Rotpunkt: Eine Route wird frei (ohne Züge am Material) von unten nach oben durchstiegen, ohne zu stürzen oder sich auszuruhen – Versuche oder Vorab-Übung sind erlaubt. Der Begriff stammt von Kurt Albert, der in den 1970er-Jahren im Frankenjura frei durchstiegene Routen mit einem roten Punkt am Einstieg markierte.
- On Sight: Die Route wird im allerersten Versuch durchstiegen – ganz ohne Vorinformationen, ohne vorheriges Beobachten anderer Kletterer und ohne Beta (Bewegungstipps).
- Flash: Wie On Sight ein Durchstieg im ersten Versuch – allerdings mit vorherigen Informationen, etwa durch Zuschauen oder Tipps von anderen Kletterern.
- A Vista: Der spanische Begriff für On Sight (wörtlich „auf Sicht“), gebräuchlich im spanischsprachigen Raum. Im Englischen hat sich für Rotpunkt übrigens die direkte Übersetzung „Redpoint“ als Fachbegriff durchgesetzt.
Wichtig zu wissen: Die Angaben in den Vergleichstabellen sind Näherungswerte. Da die Skalen unabhängig voneinander entstanden sind und Schwierigkeit subjektiv empfunden wird, können sich die genauen Entsprechungen von Quelle zu Quelle leicht unterscheiden.
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